18ft Skiff Rennen 1892 bis heute

Die Geburt des 18ft Skiff Renngeschehens war am 26.Januar 1892 in Sydney Harbour.
Vater der 18footer war Mark Foy, ein lokaler Geschäftsmann und Segelbegeisterter, der fest davon überzeugt war, dass Sydney Harbour das weltbeste Wassersportareal bot.
Segeln , wie auch immer, erregte praktisch keinerlei öffentliche Aufmerksamkeit zu der Zeit und Foy war sich sehr schnell darüber im Klaren, dass es an den Seglern selbst lag. Damaliges Rennsegeln bestand aus einem Start und einem 12-Meilen-Rennen, bei dem die Yachten für ca. 2 Stunden außer Sichtweite waren. Ein kompliziertes Handycap-System (vergleichbar unserem Yardsticksystem, kombiniert mit einem persönlichen Performance-Faktor) sorgte für zusätzliche Verwirrung, da der Sieger erst Stunden später im Clubhaus errechnet wurde, für die Zuschauer absolut unbefriedigend.
Entschlossen, diese Misere zu beheben, entwickelte er einen simplen Drei-Punkte-Plan, von dem er überzeugt war, dass er Segeln populärer und zu ei-nem begeisternden Sport auch für Zuschauer machen würde:

– Segelrennen müssen aufregender und schneller sein
-die Boote müssen farbiger und dadurch einfacher zu identifizieren zu sein als durch eine kleine Segelnummer
-die Rennen müssen durch den Zieleingang entschieden sein, der erste im Ziel ist auch der Sieger
Das Hauptproblem an Foys Plan war die Entwicklung eines schnelleren Schiffes für Rennen, aber er löste es mit dem ersten 18footer. Dieses hatte eine offene Schale, einen 8-Fuß-Baum ( 2,4 mtr) und nur 76 cm Freibord. Es trug eine Crew von 14 (!) Mann, welche verglichen mit den üblichen 25 Mann Besatzung geradezu revolutionär war. Es konnte viele weit ausgestellte Segel tragen und war für einen enormen Vorwind-Speed konzipiert, bei dem es unglaublich schnell ins Gleiten kam.
Foys Plan, die Boote durch gestreifte und farbige Segel leichter identifizieren zu können, musste vorerst fallen gelassen werden aufgrund der hohen Kosten für jeweils individuelle Segelherstellung pro Boot. Seine Alternative war ein großes farbiges Logo im Großsegel, eine Tradition, die sich bis heute erhalten hat, auch wenn es heute meist die Logos der Sponsoren sind.Die Entwicklung schreitet voran, eine eigene Rennserie wird gebore1892

Anniversary Day Regatta

Es gab (erstmalig für Segeln) große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für dieses Spektakel und so zahlte sich diese Konsequenz schnell aus. Am Regatta-Tag war Clark Island( in Sydney Harbour) vollgestopft bis zum Limit mit Zuschauern, fest verankerte Fähren und Plattformboote entlang der Regattastrecke gaben zusätzliche Möglichkeiten zum Beobachten. Die meisten in der Menschenmenge war unwissend und ohne ir-gendwelches Vorwissen über den australischen Yachtsport, also absolute Segelsportlaien, doch Sie kamen, um unterhalten zu werden.
Ein Dreieckskurs von drei Meilen wurde ausgelegt und ein Känguruh-Start initiiert, bei dem die Besten nach den schlechteren Booten starteten. Dies ergab einen spannenden letzten Vorwind-Kurs, bei dem alle zusam-men um den Sieg kämpften. Am Start lagen noch drei Minuten zwischen den Booten, im Ziel kam es zu einem Bugspriet an Bugspriet-Zieleingang zwischen 12 Booten. Das Publikum bekam was für sein Geld geboten und die farbigen Logos im Segel waren ein sofortiger Erfolg. Foy hatte bewiesen, dass 18ft-Skiff-Rennen das spannendste an Segelsport waren, was je in Sydney Harbour gezeigt wurde – ein Status, der auch später nie wirklich herausgefordert wurde.

Die „Big Boot Ära“

Die erste Ära in der Geschichte der 18footer ist als „Big Boot Ära bekannt. Diese Boote trugen 18-25 Be-satzungsmitglieder und hatten enorm schwere Spieren und Segel. Die 18footer besaßen mit einem 8ft-Baum( 2,4 mtr), waren als Jolle konzipiert und trugen Großsegel, bauchige extrem große Vorsegel, Flieger, Gaffeltopsegel, topgetakelter Spinnaker, und zeitweilig auch Wasserstagsegel. Sie waren viel günstiger zu bauen und zu unterhalten. Sie waren mit wesentlich weniger Crew bemannt (10-15 Mann mittlerweile), trugen aber genauso viel Segel wie die viel größeren Boote. Die Basis der Bootsklasse wurde viel sicherer, als die erste offizielle australische Meisterschaft in Sydney während der Saison 1912-1913 abgehalten wurde.
In den frühen 30er Jahren begann die Flotte zu schrumpfen, denn die Kosten stiegen und die großen Crews mussten unterhalten werden. Dies machte die Eigentümer etwas zurückhaltender, alte durch neue Boote zu ersetzen.

Aberdare, ein neuartiges Konzept

Vor dem Wind war Sie aufgrund ihrer weit ausgebaumten Segel, Groß, Gaffeltopsegel, Reacher und Top-Spinnaker so schnell, dass man Sie „das Queensland-Wunder“ oder den „galoppierenden Geist“ taufte. ABERDARE gewann vier aufeinander folgende Australische Meister-Titel, und als Sie mit dem Renngeschehen aufhörte, hatte Sie nicht weniger als 23 Siege in 31 Starts errungen.
Der Erfolg des neuen Konzeptes war der Anfang vom Ende der „Big Boot Ära“. Im Januar 1935 wollte eine Gruppe von Seglern diese kleineren Boote segeln und gründeten die N.S.W.18footers Sailing League ( heute als „Australian 18footer league“ bekannt).

N.S.W. 18Footers Sailing League


1937 Mr. James J.Giltinan ( erster Sekretär der der N.S.W.18footers Sailing League) plante und führte die erste Weltmeisterschaft der 18footer in Sydney Harbour durch. Der Termin traf sich mit dem 150. Jahrestag des Bestehens von Sydney und den dazu stattfindenden Feiern im Januar 1938 und war ein Erfolg. Obwohl aufgrund der unsicheren Verhältnisse in Europa nur die Neuseeländer daran teilnahmen, entwickelte sich eine begeisternde Weltmeisterschaft mit über 10.000 Zuschauern.

Sydney Flying Squadron

Während des zweiten Weltkrieges stoppten Offizielle in Sydney Harbour jede Segelveranstaltung und so fanden die Rennen auf den Flusskursen bis Frühjahr 1946 statt. Zu der Zeit nahmen Queensland-Offizielle den Kontakt zur „League“ auf, um das neue 6ft-Baum-Konzept zu zulassen und die Gesamt-Australischen Meisterschaften fortsetzen zu können. Die Eigner der in der League vertretenen Schiffe lehnten wegen der auf Sie zukommenden Kosten ab, da Sie gerade in 7ft-Baum-Boote investiert hatten. So gründeten die Queensland-Eigner die „Sydney Flying Squadron“ und führte die Australische Meisterschaft mit 6ft-Baum- Booten durch, während die League noch für weitere 5 Jahre am 7ft-Baum-Konzept festhielt.

Die Entwicklung 1980 bis 2005

In dieser Zeit entwickelte sich der 18footer rasend schnell. Mittlerweile nur noch drei Mann Besatzung hatten mit dem Wechsel von Holz- zu Aluminiummasten, später Aluminiummasten mit Carbontops, seit 2004 Vollcarbonmasten immer schnellere Rennmaschinen unter den Händen. Das Gewicht senkte sich segelfertig auf aktuell 170 kg, das Material der Hülle ist Nomex-Carbon in Wabenbauweise, die Wings (Ausleger) reduzierten sich 14ft (quer über die Schale gemessen, das heißt 4,27 Meter Gesamtbreite) und dürfen ebenfalls aus Carbon gefertigt sein. Durchgelattete Kohlefaser-und Kevlarsegel sorgen für Highspeed-Performance, es werden je nach Windstärke zwei Riggs zur Auswahl mit bis zu 130 Quadratmeter Segelfläche eingesetzt. Übrigens: Der Auslöser der Diskussionen, der Baum ist bis heute bei 6ft Länge geblieben.

Professionelles Regatta-Segeln im 18Footer


In keiner Bootsklasse der Welt wurden mehr Ansätze unternommen und mehr Erfolge mit professionellem Renn-Geschehen erzielt. Die Publikums-wirksamkeit ist unbestritten und die Rennen auf den Zuschauer zugeschnitten. Spektakuläre Segelszenen von begeisternder persönlicher Performance, Teamarbeit und Bootshandling auf hohem Niveau, gepaart mit seglerischem Können bieten genug Attraktionen, sodass ein Partner auch aus kommerzieller Sicht sehr schnell ein Benefit daraus zieht. So haben sich viele gute Segler und Olympioniken auch in dieser Klasse bewiesen, beispielsweise Michael Hestbaeck, zwischenzeitlich Taktiker an Bord des Deutschen Americas Cuppers und derzeit begnadeter Matchracer.
So gab es in den 90er Jahren die vollkommerziellen 18Footer-League-Veranstaltungen, die Segler hatten quasi nur einen Nebenjob und segelten vollfinanziert zur Freude des Publikums. In Europa gab es das Pendant der Europäischen Skiff-Pro-Tour zwischen 1999 und 2001. Als dies wegen Geldmangel zusammenbrach, da mehr und mehr die Segler über ihre eigenen Sponsoren einen Finanzierungsbeitrag leisten mussten, stoppte dies kurzfristig auch die Aufwärtsentwicklung der 18Foot-Skiffs in Europa, da alle nur des Geldes wegen teilnehmenden Segler ausstiegen. Seit 2004 jedoch lässt sich ein stetiger Zufluss an Teams feststellen, in 2005 traten allein 50% Neumitglieder in die Klassenvereinigung ein. Mittlerweile gibt es über 35 europäische Teams, welche an den Wettbewerben der neu gegründeten Europäischen Grand-Prix-Serie teilnehmen.

Eines aber scheint sich aber alle Wandel der Zeiten zu erhalten: 18Footer-Rennen bleiben die faszinierendste Renn-Serie in Sydney Harbour seit über 100 Jahren seit der Geburt von Foys Idee. Moderne Flotten sind mittlerweile in Europa, hier insbesondere in UK, und auch in Amerika etabliert.

Verbreitung weltweit

Generell gibt es weltweit gibt es vier Konzentrationspunkte, diese sind traditionell aufgrund der Herkunft Australien, Neuseeland, Europa seit den 90ern und die USA. In Australien liegen die meisten Schiffe allerdings nach wie vor in Sydney, weitere Flotten in Perth und Brisbane befinden sich im Aufbau. In Sydney gibt es zwei Clubs, die je eine große 18Footer-Flotte ihr Eigen nennen, die Sydney Flying Squadron und die Australian 18Footer League mit insgesamt ca. 40 Booten, dazu auch einige historische 18Footer. Starker Mann hinter der Australian 18footer League ist John Winning (Woody), der den Club über seine Kontakte in den vergangenen 30 Jahren fast allein gesponsert hat. In Neuseeland gibt es den Auckland Sailing Club, der mittlerweile eine Flotte von 15 Booten beherbergt und wöchentlich Regatten anbietet. Hier ist Graham Catley seit der Mitte des vorigen Jahrzehnts der treibende Mann, der mit Geld und Begeisterung die Flotte voranbringt. In Amerika gibt in San Francisco weitere ca. 10 Boote, davon allerdings nur ein wettbewerbsfähiges, jenes von Howard Hamlin, zusätzlich zwei in Kanada.

Die Europäer waren in den Jahren 2002 bis 2014 als starkes Pendant zu den Australiern aufgestellt. Sie sind die in den letzten Jahren aber nach starkem Wachstum wieder geschrumpft, was dem begrenzten Zugang an neuem Bootsmaterial zuzuschreiben ist. Trotzdem sind sie eine Gruppe mit derzeitig rund 30 Booten. Hier gibt es eine gesunde Verteilung mit ca. 13 in Deutschland, 12 Booten in England, 7 in der Schweiz, 3 in Ungarn, je 3 in Frankreich und Dänemark, 2 in Italien, 2 in den Niederlanden,  2 in Österreich, 2 in Spanien, weitere in Finnland, Schweden und neuerdings in Griechenland und Kroatien.

In dieser Zahl sind natürlich nur jene erwähnt, welche auch mal aktiv an Regatten teilnehmen. Hier handelt es sich um rund 60 Teams, weltweit werden aber sicher rund 150 18Foot-Skiffs existieren.

Stand 10/2017 , Norbert Peter

Categories: BlueoceanSegelteam

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